„Hospiz-Filmtage“
Montag, 02.10.2006 um 18:00 Uhr
“Mein Leben ohne mich”
Meisterregisseur Pedro Almodòvar produzierte ein aufwühlendes Drama, das
zum Überraschungsfilm der Berlinale 2003 avancierte
Staufen-Movieplex GP, Poststr. 36, Staufen 6, Eintritt: je 5,- Euro
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Montag, 25.09.2006, 18:00 Uhr
“Sprich mit ihr”
mit Javier Camara und Darío Grandinetti sowie Geraldine Chaplin (Für das
Drehbuch erhielt Pedro Almodóvar 2003 einen Oscar.)
Der Journalist Marco (Dario Grandinette) verliebt sich Hals über Kopf in
die Stierkämpferin Lydia (Rosario Flores). Insgeheim aber versöhnt sich
Lydia wieder mit ihrem alten Liebhaber, dem Matador El Niño de Valencia
(Adolfo Fernandez). Noch bevor sie mit Marco über eine Trennung reden
kann, wird sie bei einem Stierkampf lebensgefährlich verletzt und
bewusstlos in eine Klinik eingeliefert. Marco hält tagtäglich Wache an
ihrem Krankenbett und lernt dort Benigno (Javier Camara) kennen, der nur
ein paar Zimmer weiter die junge Tanzelevin Alicia (Leonor Watling)
pflegt. Alicia ist durch einen Autounfall vor vier Jahren ins Koma
gefallen. Benigno hatte sich bereits vor dem tragischen Unfall in Alicia
verliebt, die von der Tiefe seiner Zuneigung nichts ahnen konnte. Die
Leidenschaft entflammte aus der Distanz: Von seinem Fenster aus konnte
Benigno die Tanzschule sehen, in der Alicia täglich ihre Ballettübungen
absolvierte. Als gelernter und routinierter Krankenpfleger - seine
gesamte Jugend verbrachte er damit, daheim seine bettlägerige Mutter zu
betreuen - gelang es ihm schließlich, mit der Pflege Alicias betraut zu
werden.
Von seiner Kollegin Rosa (Mariola Fuentes) assistiert, pflegt Benigno
also seit vier Jahren Tag für Tag die Frau, die er liebt und findet das
Glück, das ihm die wache Alicia vermutlich nie gewährt hätte. Er wäscht
und massiert sie, er scheidet ihr die Haare, er schminkt sie, und er
reinigt ihren Unterkörper, wenn sie ihre Periode hat. Alicias Vater (Helio
Pedregal) bemerkt diese Intimität mit einem gewissen Misstrauen,
beruhigt sich aber, als Benigno ihm vorlügt, er sei homosexuell.
Benignos eigentlicher Liebesbeweis aber ist, dass er unentwegt mit
Alicia spricht, als könnte sie ihn verstehen. Er erzählt ihr alles, was
er erlebt - für sie erlebt. Und auch der Hinweis des Arztes, dass dies
sinnlos sei, kann ihn nicht davon abhalten. Wer weiß das schon genau,
denkt er und macht weiter wie bisher. Angesichts der im Koma
dahindämmernden Geliebten, verfällt Marco dagegen ins Schweigen und
verliert jede Bindung zu Lydia. Benigno aber muss nicht mehr fürchten,
abgewiesen zu werden und steigert sich tiefer und tiefer in die Liebe zu
seiner Patientin Alicia hinein.
Eines Tages erzählt Benigno Alicia von dem Stummfilm "Der schwindende
Liebhaber", den er am Abend zuvor im Kino gesehen hat. Darin trinkt der
Liebhaber Alfredo (Fele Martinez), um seiner geliebten Wissenschaftlerin
Amparo (Paz Vega) zu imponieren, ein von ihr gebrautes aber noch
unerforschtes Elixier und schrumpft daraufhin zum Däumling. Des Nachts
krabbelt der kleine Mann verzückt vor das Geschlecht der schlummernden
Geliebten und verschwindet darin auf alle Ewigkeit. Über das Gesicht der
Schlafenden geht in diesem Moment ein Ausdruck größten Glücks. Als Marco
an Lydias Krankenbett erfährt, dass sie kurz vor ihrem tragischen Unfall
zu ihrem ehemaligen Liebhaber, dem Matador, zurückkehren wollte,
beschließt Marco, wieder Reiseführer zu schreiben. Fast erleichtert
überlässt er dem Stierkämpfer die Krankenwache und reist nach Jordanien.
Dort liest er wenig später in der Zeitung von Lydias Tod. Sofort ruft er
im Krankenhaus an und verlangt nach Benigno. Dieser, so wird ihm
berichtet, stehe unter dem Verdacht der Vergewaltigung an Alicia und
säße in der Haftanstalt von Segovia. Marco kehrt nach Spanien zurück und
findet heraus, dass Alicia ein totes Kind zur Welt gebracht hat, aber
durch den Schock der Geburt aus dem Koma erwacht ist...
Die Wirkung, die von diesem Meisterwerk ausgeht, lässt sich mit Worten
nicht beschreiben.
Mittwoch, 27.09.2006, 18:00 Uhr
“Das Meer in mir”
Regie: Alejandro Amenábar
Oscarverleihung 2005: Bester Fremdsprachiger Film
Prädikat: besonders wertvoll
Europäischer Filmpreis 2004:
Bester Europäischer Schauspieler: Javier Bardem
Bester Europäischer Regisseur: Alejandro Amenábar
Filmfestspiele Venedig 2004:
SILBERNER LÖWE - Großer Preis der Jury
COPPA VOLPI - Bester Darsteller: Javier Bardem
Ondas, Spanien 2004:
Cinema Award: Alejandro Amenábar
National Board of Review, USA 2004:
NBR Award in der Kategorie Bester Ausländischer Film
Hollywood Film Festival, USA 2004:
Hollywood Discovery Award in der Kategorie Bester Europäischer Film:
Alejandro Amenábar
Independent Spirit Award, USA 2004:
Nominiert in der Kategorie Bester Ausländischer Film: Alejandro Amenábar
Ramón (Javier Bardem) träumt sich ins Meer, taucht ein und unter, wann
immer es ihm die Fantasie erlaubt. Denn er liebt das Meer, auch wenn es
ihm fast das Leben nahm. Vor 27 Jahren hatte er einen Unfall, als er in
dieses Meer sprang - seither ist er querschnittsgelähmt, ist sein Körper
gestorben. Und seit 27 Jahren möchte er, dass auch sein Kopf sterben
kann. Aber für den Tod würde er Hilfe brauchen - und die versagen ihm
Staat und Kirche. Doch Ramón ist fest entschlossen nicht aufzugeben.
Er lebt im Haus seines Bruders, wird gepflegt und umsorgt
von seiner Schwägerin Manuela (Mabel Rivera), die nicht immer mit dem
Harem einverstanden ist, der sich im Laufe der Zeit um Ramón gebildet
hat: die Rechtsanwältin Julia (Belén Rueda), die ihm helfen wird, das
Buch „Cartas desde el infierno“ (Briefe aus der Hölle) zu publizieren,
Gené (Clara Segura), Vertreterin der „Gesellschaft für Würdiges
Sterben“, und Rosa (Lola Dueñas), die Fabrikarbeiterin mit den beiden
kleinen Söhnen und dem großen Herzen, die in ihm den Mann fürs Leben
sieht und ihm beibringen möchte, dass dieses Leben auch schön sein kann.
Alle vier lieben Ramón, betört von seiner Persönlichkeit, seinem Witz,
seiner Sanftheit, seiner Klugheit - und Ramón liebt sie alle, auch wenn
er lieber sterben möchte. Und er weiß, dass ihm dabei nur der Mensch,
der ihn wirklich liebt, helfen wird.
DAS MEER IN MIR beruht auf dem authentischen Fall des Spaniers Ramón
Sampedro. Nach einem Badeunfall vom Hals ab gelähmt, lebte er 28 Jahre
in totaler Abhängigkeit von der Hilfe anderer und kämpfte öffentlich für
sein Recht auf einen selbstbestimmten Tod. Nicht nur sein couragierter
Feldzug bis vor das oberste spanische Gericht, sondern auch sein 1996
erschienenes Buch „Cartas desde el infierno“ (Briefe aus der Hölle),
eine Sammlung persönlicher Briefe, Petitionen und Eingaben, lösten in
seiner Heimat und über die Landesgrenzen hinweg kontroverse Diskussionen
aus. Hochsensibel nähert sich der spanische Regisseur Alejandro Amenábar
(THE OTHERS) diesem brisanten Thema und schildert in seinem Film DAS
MEER IN MIR die ergreifende Geschichte. Er entwirft dabei ein
eindringliches Plädoyer für Freiheit und Gerechtigkeit. Mit Javier
Bardem (BEFORE NIGHT FALLS), einem Schauspieler, der bereits in vielen
Rollen seine außergewöhnliche Begabung für Charaktere in extremen
Situationen bewiesen hat, fand er einen kongenialen Darsteller seiner
Visionen für einen Film in luziden und schmerzhaft klaren Bildern
(Kamera: Javier Aguirresarobe). DAS MEER IN MIR ist ein Film, der
gleichzeitig lachen und weinen lässt, wie das nur Meisterwerke können.
Montag, 02.10.2006, 18:00 Uhr
“Mein Leben ohne mich”
Meisterregisseur Pedro Almodòvar produzierte ein aufwühlendes Drama, das
zum Überraschungsfilm der Berlinale 2003 avancierte.
Bisher hatte sie nicht die besten Karten im Lebenspoker: das erste Kind
mit 17, das zweite mit 19, der Mann (Scott Speedman) arbeitslos, der
Vater (Alfred Molina) im Gefängnis, die nervige Mutter (Deborah Harry)
als Nachbarin. Ann (Sarah Polley) ist 23 und trägt trotz allem die
kleine Sehnsucht in sich, dass alles einmal besser werden könnte. Als
Ehefrau und Mutter lebt sie mit ihrer Familie in einem Trailer, putzt
nachts an der Uni und muss sich mit ihrer ewig unzufriedenen Mutter
herumschlagen.
Doch eines Tages ändert sich Anns eintöniger Alltag schlagartig. Nach
einem Schwächeanfall wird sie ins Krankenhaus eingeliefert. Die Diagnose
des Arztes ist niederschmetternd: Krebs im Endstadium – sie hat noch
zwei Monate zu leben. Aber Ann behält die schockierende Nachricht für
sich, erzählt niemandem etwas davon, sondern fasst einen einsamen
Entschluss: Sie wird das bisschen verbleibende Leben noch auskosten,
sich Wünsche erfüllen, kleine Utopien verwirklichen und für ihre Lieben
die Zeit nach ihrem Tod, das Leben ohne sie, vorbereiten.
Dazu gehört, dass sie ihren beiden Kindern Geburtstagsgrüße für die
nächsten Jahre auf Band spricht oder dass sie Ausschau hält nach einer
geeigneten neuen Frau für ihren Mann Don und Ersatzmutter für die beiden
Mädchen, genauso aber auch der Plan, noch einmal Liebe und Zärtlichkeit
mit einem anderen Mann zu erfahren, seinen Herzschlag ganz nah zu hören
und brennende Lust zu verspüren - hundert Jahre Zweisamkeit in nur einer
kurzen Begegnung. Mit Lee (Mark Ruffalo) trifft Ann den Mann ihrer
Träume. Nur ein kleiner Moment des großen Glücks ist ihr vergönnt, bis
sie endgültig Abschied nehmen muss...
Was tun, wenn man erfährt, dass man nur noch zwei Monate zu leben hat?
Die Welt aus den Angeln heben? Sich aus Traurigkeit verkriechen? Sich
von Freunden und Familie trösten lassen? Etwas Neues erleben? Oder
einfach weiterleben wie bisher? Die 23-jährige Ann entscheidet sich, den
normalen Alltag weiterzuführen, aber gleichzeitig den Ausbruch zu wagen.
Kleine Schritte in eine ungewohnte Freiheit - das Glas ist für sie nicht
halbleer, sondern halbvoll. Sie liebt ihren Mann und ihre beiden
Töchter; und so bereitet sie heimlich und leise für ihre Familie die
Zeit nach ihrem Tod vor: das Leben ohne sie. Gleichzeitig lernt sie aber
auch einen anderen Mann kennen und beginnt mit ihm eine
leidenschaftliche Affäre. Eine Liebe für die Gegenwart, nicht für die
Zukunft. Ann entdeckt die Lust am Leben, ohne das nahe Sterben zu
vergessen...
Meisterregisseur Pedro Almodòvar produzierte ein aufwühlendes Drama, das
zum Überraschungsfilm der diesjährigen Berlinale avancierte. Einfühlsam
erzählt Regisseurin Isabel Coixet von der Zerbrechlichkeit der Träume,
dem Zurückgeworfensein auf sich Selbst, aber auch von der Kraft der
Liebe. Der herausragenden Hauptdarstellerin Sarah Polley gelingt das
eindringliche Portrait einer Frau, das in das Innerste der Seele führt
und melancholisch und traurig und glücklich zugleich stimmt.
MEIN LEBEN OHNE MICH ist die zärtliche Geschichte eines leisen Adieus,
das Mut macht – ein Plädoyer für das Leben, nichts mehr aufzuschieben,
sondern zu genießen. Hier, heute, jetzt! |